«One man´s imagined community is another man´s political prison.» – Arjun Apuddarai

affekt ist ein unabhängiges, nomadisches Magazin und widmet sich mit jeder Ausgabe einem neuen Thema. affekt macht sich auf die Suche nach dem urbanen Leben und erzählt die Stadt einmal anders. Mit jeder Ausgabe schreiben wir einen neuen psychogeografischen Atlas, der zum subjektiven Entdecken und Hinterfragen des Städtischen einladen soll. affekt erzählt die kleinen Geschichten der Stadt und leistet damit einen universellen Beitrag.

Die Stadt als Ort der Gegensätze, die Stadt als Ort, an dem bald die Mehrheit der Weltbevölkerung leben wird, und als Ort, an dem die sozialen Gefüge öffentlich diskutiert und sichtbar gemacht werden – die Stadt als Wiege der postmodernen Gesellschaft. Die treibende Kraft der Stadt erwächst aus ihrer Fähigkeit, verschiedene Lebensweisen und Alltagsrealitäten aufnehmen zu können. Die Vielfalt und Verschiedenheit der StadtbewohnerInnen, die gegenseitige Anerkennung von Differenzen, die Konflikte und die immer wieder neu zu verhandelnden Lösungswege – sie alle sind Aspekte des städtischen Potentials. Öffentliche Räume des Austauschs, der Kommunikation, der Kreativität und der Möglichkeit sind für die nachhaltige und vielfältige Entwicklung einer Stadt somit unerlässlich.

Mit unserem Projekt möchten wir die urbanen Bewegungen und Möglichkeiten erforschen, lesbar machen und Verbindungen innerhalb unserer Lebensräume aufzeigen. Die Stadt birgt unzählige Geschichten, welche die Zusammenhänge und Strukturen des Städtischen offenbaren, Aufschlüsse geben, neue Möglichkeitsräume zeigen. affekt macht es sich zur Aufgabe, diese versteckten Geschichten und Grauzonen nachzuzeichnen. Durch eine Mischung aus Wissenschaftlichem und Alltäglichem positioniert sich das Magazin nicht zwischen den Disziplinen, sondern bewegt sich hyperdisziplinär unabhängig und will den urbanen Diskurs für Jede und Jeden zugänglich machen. Ziel ist es nicht, ein gemeinsames Verständnis von Stadtforschung zu kreieren, sondern den verschiedenen Ansichten, Themen und Geschichten aus Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung, aus Raumordnung und bildender Kunst, Geographie, Soziologie, Politik- und Medienwissenschaften, aus Philosophie und Alltagsgeschichten eine Plattform zu bieten, um das Urbane kritisch und subversiv zu erkunden.

affekt ist ein Magazin mit Potenzial für Vieles – deshalb haben wir uns für ein offenes Format entschieden und lassen Jede und Jeden der Lust hat daran teilhaben. Jeweils drei Monate vor dem Drucktermin wird das Thema bekannt gegeben und eine Ausschreibung veranstaltet. Dem Format sind keine Grenzen gesetzt; Essays, Interviews, Fotoarbeiten, künstlerische Arbeiten, Projekte, Portraits und alle weiteren Dinge sind herzlich willkommen. Der erste Aufschrei ist für Juni 2015 geplant. affekt erscheint als Printmagazin, aber auch als gratis PDF und online Magazin.


 

Impressum

ISSN 2297-4881

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Solothurnerstrasse 4
4053 Basel
Schweiz

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Redaktion
etienne@affekt.ch

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Redaktion

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Redaktion/ Lektorat

Livia Matthäus
Redaktion

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Redaktion / Homepage

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Druck & Gestaltung

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affekt nō 1 –
Die nomadische Stadt

«In einer Selbstbedienungswelt liegt der wahre Schlüssel zur Zukunft vielleicht darin, dass Grundbegriffe wie Kultur aufhören zu existieren. Niemand von uns ist tatsächlich noch von hier. Wir sind mehr oder weniger alle Touristen in Hawaiihemden.» – Nigel Barley

Im Jahr 2012 wurde die Rekordmarke von einer Milliarde – der weltweiten Tourismusaufkommen nach Anzahl der internationalen Reiseankünfte – erreicht. Dazu zählen nur diejenigen, die sich freiwillig für eine Reise entschieden haben. Circa 50 Millionen Flüchtlinge, Binnenvertriebene, Rückkehrer, Asylsuchende und Staatenlose wurden dagegen im Jahr 2014 gezählt. Ob freiwillig als Tourist und Touristin oder unfreiwillig als Flüchtling – niemals zuvor waren so viele Menschen mobil und unterwegs.

Die Mobilität und ihre unzähligen Technologien sind Ausdruck einer neuen postnomadischen Generation. Ein neuer Typus des globalen Menschen entsteht, der immer unterwegs ist und weiß, dass er an einem anderen Ort etwas anderes zu sehen bekommt. Unsere globalisierte Welt vermischt und überlagert sich, unsere Räume werden verknotet, Bilder und Ideen verschmelzen, werden immer schneller ent-ortet und vernetzt. Und der Mensch wird immer stärker zum Objekt der Mobilität. Unsere Lebensräume sind niemals nur vom Ankommen und Bleiben gekennzeichnet, sondern vielmehr vom Unterwegssein, von der Unrast. Es ist die Sehnsucht nach einem besseren Leben, welche die Gesellschaft in Bewegung versetzt.

Fast kein Tag vergeht, an dem nicht über Migration, Integration oder die Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer informiert und debattiert wird. Es scheint fast so, als sei die Zuwanderung etwas Neues oder eine Überraschung, die nicht abzusehen war. Wir haben es gewusst und blicken dieser Entwicklung etwas gelassener entgegen. Wie hätte es auch anders kommen sollen? Wir erleben den Beginn einer neuzeitlichen Völkerwanderung oder befinden uns bereits mitten im Geschehen. Abermillionen Menschen machen sich auf den Weg nach besseren Chancen. Nichts kann diese Entwicklung aufhalten und jeder Blick in die Beschaulichkeit der Vergangenheit ist hoffnungslos. Migration ist kein Problem, das es zu lösen gilt, sondern ein absehbare humane Realität. Allerspätestens jetzt sollten wir uns selber auf den Weg machen, um nach neuen Strukturen zu suchen, die mehr Solidarität überhaupt erst ermöglichen.

affekt nō 1 –
Ausschreibung

affekt macht sich auf die Suche nach Nomadischem. Wir begeben uns auf eine Reise in die nomadische Stadt, auf die Suche nach sozialen Räumen der Mobilität, nach Räumen die einen sesshaften und nomadischen Lebensstil ermöglichen oder verunmöglichen. Wir haben dabei stets den Blick auf die gesellschaftsverändernde Kraft dieser globalen Flexibilisierung und vor allem, welche Chancen und Prophezeiungen dieses Phänomen eröffnet.

Ausschreibung!

affekt erscheint zum ersten Mal im Winter 2015 und ist auf der Suche nach Beiträgen, Ideen oder Vorschlägen, welche dieser Frage auf den Grund gehen oder einen Beitrag dazu leisten. Eingereicht werden kann alles, was druckbar ist.

Format: 148 x 210
Einsendeschluss: 25. Juli 2015
Release: Winter 2016
Beiträge: beitrag@affekt.ch